Narziss und Echo
So manche Vorträge aus 1980/1981 habe ich natürlich im Laufe der Jahre verändert, verbessert. Wozu hingegen falsch verstandene übersteigerte Selbstliebe führen kann, zeigt uns die Sage von Narziss und Echo aus der Antike. Sie ist im Grunde das Musterbeispiel eines Eigenunfalls, oder auch Missbrauchs. Der wunderschöne, selbstverliebte Narziss war derart verzückt von sich und seiner Schönheit, als er die Liebesavancen der Bergnymphe Echo ausgeschlagen hat und sich stattdessen in das eigene Spiegelbild verliebte, welches er unablässig auf der Oberfläche eines Teiches bewunderte.
Nach einem Bericht des Pausanias starb Narziss vor Schreck, weil ein von einem Strauch herabgleitendes Blatt die spiegelnde Wasseroberfläche kräuselte und die leichte Verzerrung des Spiegelbildes ihn als hässlich vorspiegelte, erscheinen ließ.
Dazu stellt sich die Frage, wussten Sie als Sexualität nicht nur Mittel zur Fortpflanzung ist? Es ist auch ein Medium der möglichen und schönsten Kommunikation? Es ist die Ausdruckshandlung, daher auch die Kommunikation, durch zeitgleiches Aufbauen von Energien, schöner bis wunderschöner Energien. Liebe ist nämlich grundsätzlich eine Form der Erlösung aus der profanen Alltäglichkeit unseres Lebens. Die klassische Philosophie sucht nach wie vor zwar eine Erlösung vor allem in den Erkenntnissen des Geistes, des Bewusstseins und dem Unterbewusstsein durch deren Verbindung: als bezeichnet IQ. Letzterer ist nichts anderes als ein Geschwindigkeitsindikator. Fazit, durch Außen- und Innenschau unter Nutzung der Phantasie und daher einer selbst bestimmten Theoriebildung. Wichtig ist dabei, als man keine Erwartungshaltung daran und damit verknüpft.
Glaubensrichtungen veranschaulichen Erlösungen auf verschiedene Arten, zumeist mittels heilsgestalten und transzendieren dabei denjenigen in eine eigene Vorstellung und Ausübung. Liebe ist hingegen eine innere Form der Erlösung, welche sich immer nur wechselseitig durch das Zutun nicht nur eines Liebenden erfüllen kann. Liebe ist daher nicht die Selbstaufgabe, auch nicht das Aufgehen im „Anderen“ und auch nicht Aufopferung für den „Anderen“. Das würde in dem Fall der „Andere“ auch nicht zulassen. Wirklich lieben kann nur der, der sich auch wirklich in einem relationalen „Wir“ seiner selbst bewusst ist und der des anderen Gewahr befindet, bleibt. Das Eigengefühl mit einer geliebten Person ist bei alldem nur ein Moment der Begegnung, nicht aber Zweck oder Ziel der Begegnung – Liebe. Gemäß dem ist sittlich wertvolle Liebe also nicht abhängig von Eigenschaften der geliebten Person. Wir lieben generell nicht jene Begabung, Tugenden an einem Menschen. Liebe zielt nicht auf bestimmte Aspekte einer Person ab, sondern immer den gesamten Menschen in seinem Sein. Gemäß geht das Wesen der eigenen Individualität wie das einer fremden nie ganz in Begriffen auf, lässt sich leider nicht umfassend und eindeutig in Worte fassen. Die Individualität eines Menschen tritt nur in der Liebe oder im Sehen durch sie hindurch ganz und gar rein hervor. Nun werden oftmals Menschen mit diesen reinen Eigenschaften als Geisel geistig kranker Personen genommen, die das ausleben wollen, was sie dem Reinen stehlen, plündern. Sie sind nämlich der wirren Ansicht sie können auf diese Weise das Leben führen, welches der Reine tatsächlich auch führt. Ist nämlich die Liebe weg, so tritt an diese Stelle des Individuums die soziale Person und die soziale Person von Plünderern, Dieben und solchen niedrigen Individuen ausgebeutet werden. Diese Gemeinschaft wird in dem Fall auch alles tun, damit die auszunehmende Geisel die Liebe nicht erreichen kann, da diese durch das Erreichen des Existenziellen Grundlagen zur Erreichung der Eigenständigkeit der Gemeinschaft auskommt und dadurch das soziale auszubeutende für die Gesellschaft verschwindet.
Übrig bleibt die banale Gesellschaft. Menschen die sich eine Geisel halten, sie sind Gift und bedeuten nichts ohne Gift. Wobei alleine die Dosis macht es, so auch Paracelsus.
Wobei ohne eine Zutat dieser Selbstliebe wird man vermutlich nicht weit kommen. Denn Liebe ist mehr als ein Gefühl, mehr als Verliebtsein, mehr als reine Körperlichkeit und mehr als eine Conclusio vernünftiger Erwägungen. Liebe ist all das Zusammen in Verbindung mit einer besonderen Form gegenseitiger Sympathie für das Wesen und die Geschichte des geliebten Menschen. Sie ist eine besondere Form gemeinsamen weiterschließenden Tuns. Ein Prozess des bewussten wechselseitigem Sich-einlassen und gegenseitig Sich-aufschließen.
Als der Himmel mitunter voller Geigen hängt gehört ebenso dazu, wie die Erfahrung, als mancher Kuss ein Judaskuss ist. Wenn nun für eine Geisel diese Liebe, Nähe sowie Gesamteinwirkung als existenzielle Grundlagen zur Erreichung der Eigenständigkeit dient, also von essentieller Bedeutung ist, werden von einer solch "Narziss und Echo Gemeinschaft" stets Ausflüchte gesucht, um das Opfer, deren Geisel genau das zu entziehen was für das Opfer von existenzieller Bedeutung ist und ersatzweise diese Erreichbarkeit auch sabotieren.
Selbst ein Umzug wird in dem Fall nicht Abhilfe leisten, keine Besserung kann eintreten, da dieses Opfer nur in eine neue Gemeinschaft geführt wird und ähnliche Verhältnisse sich dort aufbauen werden.
Es muss also zuerst das sich finden was die existenziellen Grundlagen zur Erreichung der Eigenständigkeit ausmachen und dies muss frei aufgebaut werden können. Abseits jeden negativenvorbezeichneten toxischen Einflusses. Natürlich muss alles entgiftet sich zusammenfinden und aufbauen können. Dennwahre Liebe ist Reinheit.